Ein Tag im Leben einer Hirtin

Haben Sie jemals ein Gericht gegessen und waren so begeistert, dass Sie am liebsten tagelang dasselbe gegessen hätten? Oder haben Sie einen Lieblingsfilm, den Sie schon so oft gesehen haben, dass Sie jeden Satz auswendig kennen? Dieser kleine Kick, den man bekommt, der plötzliche Ausstoß von Endorphinen, durch den man ein ganz warmes und wohliges Gefühl bekommt...multiplizieren Sie das mit einer Million und das kommt dem Gefühl nahe, das man bekommt, wenn man sieht, wie ein Neugeborenes auf die Welt kommt und den ersten Atemzug nimmt. Ich wurde schnell fast süchtig nach diesem Hochgefühl, neues Leben zu sehen ... so sehr, dass ich mir abends auf YouTube anschaute, wie Lämmer (oder andere Tiere/Menschen) zur Welt kamen.  

 
Die ersten Stunden sind entscheidend für das Wohlbefinden des Lamms und der Mutter. Das Bindungsverhalten beginnt, während das Mutterschaf noch in den Wehen liegt, sie wird lauter und die Töne sind sehr ausgeprägt: zarter und fast beruhigend. Die ungeborenen Lämmer gewöhnen sich an diesen Klang und wenn sie dann auf die Welt kommen erkennen sie ihre Stimme in einem Feld mit 100 anderen Müttern! Wenn sie es geschafft haben, das Lamm zu gebären (hoffentlich allein und erfolgreich), müssen sie schnell den Geburtsschleim vom Gesicht des Lamms lecken. Wenn sie das nicht tun, erstickt das Lamm und es ist wirklich traurig, wenn man sie so findet. Die Mutterschafe lecken die Lämmer ab, um sie zum Atmen anzuregen, und ich glaube, es festigt auch das Verhältnis zwischen Mutter und Kind. Innerhalb der ersten paar Stunden müssen sie so viel Kolostrum trinken wie möglich. Das ist die Erstmilch, die das Mutterschaf produziert. Sie sieht anders aus als normale Milch - fast wie ein Pudding, richtig dick und cremig. Sie enthält alle Antikörper, die die Kleinen brauchen, um zu überleben. Wenn sie nicht genügend hochwertiges Kolostrum bekommen, kann das zu allen möglichen Krankheiten führen und sie sind unglaublich anfällig. Einige Lämmer sind innerhalb von Minuten nach der Geburt auf den Füßen und suchen nach dem „flüssigen Gold“. Natürlich ist das das bestmögliche Szenario. Egal, was man im Fernsehen manchmal sieht, das ist nicht immer der Fall. Dann müssen wir eingreifen. Die Landwirte oder Schäfer. Unsere Hauptverantwortung ist das Wohlergehen der Herde. Das kann sogar Vorrang vor dem eigenen Wohlbefinden haben - wenn man nicht aufpasst und vergisst, dass man genug trinkt und isst, denn ohne „Treibstoff“ kann man sich nicht um die Tiere kümmern und dann passieren dumme Fehler.  
 
Mein Platz beim Ablammen ist der „Haustierstall“, die meisten haben dort nur einen flüchtigen Aufenthalt, bevor sie von einer neuen Mutter angenommen werden, aber einige bleiben langfristig bei mir. Unter meinen Fittichen finden sich alle möglichen Lämmer, hauptsächlich Drillinge. Einn Mutterschaf hat nur zwei Zitzen und so kann die Aufzucht von drei Lämmern eine echte Belastung für sie sein. Und nicht nur das: Während sie mit den anderen beiden beschäftigt ist, ist auch die Chance höher, dass sich ein Dachs oder Fuchs das dritte schnappt. Darum, nehmen wir in der Regel bei Drillingen ein Lamm weg. Das Ziel ist, dass jedes Lamm eine Mutter hat und wir möchten, dass die meisten unserer Mutterschafe zwei Lämmer aufziehen. Wenn wir daher sehen, dass bei einem einzelnen Mutterschaf die Wehen einsetzen, versuchen wir immer (wenn es die Milchversorgung zulässt), ein Lamm aus meinem Tierstall zu übernehmen. Das heißt, wir tricksen sie aus, damit sie denkt, sie hätte zwei Lämmer bekommen. Es ist faszinierend zu erfahren, wie andere Landwirte das handhaben, verglichen mit den Techniken, die man auf dem eigenen Betrieb anwendet. Unsere häufigste Methode ist, das Lamm während der Geburt über das Waisenkind zu ziehen, so dass beide mit dem „Geburtssaft“ bedeckt sind und damit haben wir eine relativ hohe Erfolgsquote.  
 
Regel Nr. 1 der Schafhaltung. Sie sterben gern. Also, zumindest versuchen sie es. In meinem ersten Jahr als Hirtin sah ich das erste Mal ein totes Lamm und ich war ich so unglaublich traurig, es hat mich so sehr beschäftigt, dass wir nicht wussten, WARUM es gestorben war. Aber man stelle sich vor, wir würden bei jedem Lamm, das stirbt eine Obduktion durchführen! Am Anfang war das schwierig, aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass man nur sein Bestes geben kann, und dann kommt es auf das Tier an und und auch ein bisschen auf das Glück. Uns kamen schon Tiere unter, bei denen wir beide überzeugt waren, dass sie nicht durchkommen würden, die aber überlebt haben, und wir hatten auch kerngesundeLämmer, die plötzlich tot umgefallen sind. Der Tod gehört zur Landwirtschaft dazu - sowohl beim Schlachten als auch die „ungeplanten“ Fälle. Ein kluger Mann sagte einmal zu mir: „Wenn du nicht mehr traurig bist, wenn du totes Tier siehst, dann musst du mit der Landwirtschaft aufhören“. Und das stimmt. Man ist Landwirt:in aus Liebe und Leidenschaft zu den Tieren und es gibt keine schönere Zeit im Jahr, als die Felder voller Mutterschafe und Lämmer zu sehen. Man hat einen nassen Herbst und einen dunklen, kalten Winter überlebt, und jetzt kann man zur Feier des Tages den Sonnenuntergang beobachten und all den Lämmern dabei zusehen, wie sie sorglos herumlaufen. 

 
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